Tagesordnungspunkt

TOP Ö 5: Antrag des Oldenburgischen Jugenderholungswerkes e. V. (OJE) auf Gewährung eines Zuschusses für die Teilsanierung/den Umbau des Schullandheims auf Wangerooge

BezeichnungInhalt
Sitzung:03.11.2015   KUL/030/2015 
Beschluss:mehrheitlich beschlossen
Vorlage:  V-KUL/15/057 

Der Ausschuss für Kultur und Freizeit beschloss bei einer Enthaltung einstimmig, dem Kreistag zu empfehlen, dem Oldenburgischen Jugenderholungswerk e. V. (OJE) für die Teilsanierung/den Umbau des Schullandheims auf Wangerooge einen Zuschuss in Höhe von 165.000,00 Euro zu gewähren.


Kreisoberamtsrat Deeken trug den Sachverhalt entsprechend der Vorlage V-KUL/15/057 vor.

Sodann erteilte der Ausschussvorsitzende dem Vorstands-Vorsitzenden des Oldenburgischen Jugenderholungswerks e. V. (OJE), Herrn Boll, das Wort.

 

Herr Boll erinnerte zunächst an den ursprünglichen Vereinszweck. Das OJE sei in der Nachkriegszeit, als Schulen im Oldenburger Land von unterernährten Schülerinnen und Schülern berichtet hätten, entstanden, um diesen Kindern zu helfen. Das OJE habe die leerstehende Jadekaserne nutzen können und die britische Militärregierung habe eine Schulspeisung ermöglicht. Schon im Jahr 1949 hätten 2000 Kinder die Hilfe des OJE in Anspruch genommen. Im Jahr 1958 habe es eine Zäsur gegeben. Die Bundeswehr habe die Jadekaserne zurück verlangt. Zudem sei der ursprüngliche Vereinszweck erledigt gewesen. Speziell Schulen aus dem Landkreis Cloppenburg hätten sich aber dafür stark gemacht, das Schullandheim nicht aufzugeben, um - was vielen Familien seinerzeit sonst nicht möglich gewesen wäre - Kindern weiterhin einen Inselaufenthalt mit all seinen Besonderheiten zu ermöglichen. Nach der dann folgenden Vereinsgründung sei bis 1964 in mehreren Etappen die Einrichtung auf Wangerooge errichtet worden, nachdem das Land das Grundstück zur Verfügung gestellt habe.

 

Sodann erläuterte Herr Boll die Notwendigkeit der geplanten Maßnahmen. Nach der gelungenen Sanierung der Häuser 1 und 2, würden die Besucher eine Buchung des Hauses 3 zunehmend ablehnen. Sofern die Schaffung von geplanten 32 Betten im Dachgeschoss des Hauses 1 und eine Sanierung von Haus 3 nicht erfolge, würde der Verein 40 bis 50 Prozent seiner Einnahmen verlieren und müsse das Schullandheim schließen. Die Sanierung des Hauses 3 solle nach einem Teilabriss durch den Verkauf eines Teilgrundstücks an die Gemeinde Wangerooge, die dieses als Baugebiet ausweisen wolle, finanziert werden.

 

Der Ausschussvorsitzende erklärte, dass nach der Sanierung der Häuser 1 und 2 auch die Sanierung des Hauses 3 erfolgen müsse. Kreistagsabgeordneter Middendorf (CDU-Fraktion) pflichtete dem bei. Jetzt nicht weiter zu machen bedeute, dass man auf dem halben Weg stehen bleibe.

Kreistagsabgeordnete Dr. Kannen (GRÜNE) erklärte, dass sich durch einen Grundstücksverkauf der für die Besucher nutzbare Außenbereich weiter reduziere. Bereits für die Finanzierung der Sanierung der Häuser 1 und 2 sei ein Grundstück veräußert worden.
Dazu erklärte Herr Boll, dass es sich bei der für den Verkauf angedachten Fläche um bislang ungenutztes Ödland handele. Der Spielplatz und der Sportplatz des Schullandheims würden sich an anderer Stelle befinden. Ihm sei aber bewusst, dass das OJE bei einem weiteren Grundstücksverkauf insoweit sein letztes Potenzial verliere.

 

Kreistagsabgeordneter Poppe (FDP) erklärte, dass die Einrichtung regelmäßig auch von Gästen aus Kommunen, die nicht Mitglied des Vereins seien, gebucht würde und fragte nach, ob es in insoweit eine differenzierte Preisstruktur gebe. Dazu erklärte Herr Boll, dass es gegenwärtig keine differenzierte Preisstruktur gebe. Es sei aber sein Wunsch, dass künftig Gäste aus Kommunen, die nicht Mitglied des Vereins seien, für den Aufenthalt im Schullandheim mehr bezahlen müssten als Gäste aus Mitgliedskommunen. Schließlich würde die Einrichtung von den Mitgliedskommunen finanziert. Der Besucheranteil aus Kommunen, die nicht Vereinsmitglied seien, betrage rund 40 Prozent.

 

Der Ausschussvorsitzende gab zu bedenken, dass ein Grundstücksverkauf nur einmal möglich sei. In Zeiten, in denen das Zinsniveau gering sei, müsse auch über eine eventuelle Finanzierung der Sanierung des Hauses 3 mittels eines Kredites nachgedacht werden. Herr Boll erklärte, dass er über diese Anregung in der Mitgliederversammlung des Vereins beraten lassen werde. Zudem sei zu prüfen, ob von anderen Stellen Drittmittel eingeworben werden könnten. Ohnehin müsse die Einrichtung künftig selber Mittel erwirtschaften und Rücklagen bilden.

 

Kreistagsabgeordneter Prof. Dr. Olivier (CDU-Fraktion) erklärte, dass es sich bei dem in Rede stehenden Grundstück offenbar um ein „Sahnegrundstück“ handele. Daher sei vor einem Verkauf des Grundstücks das Betreiberkonzept zu überdenken, um eine bessere Auslastung der Einrichtung zu erreichen. Kreisoberamtsrat Deeken führte aus, dass der Verein bei einer gewerblichen Betriebsführung wohl seine Gemeinnützigkeit verliere. Herr Boll erklärte, dass er von einem veränderten Betreibermodell nicht viel erwarte. Lediglich 4 Personen würden derzeit den Betrieb für bis zu 160 Gästen sicherstellen. Die Geschäftsführung und die Vorstandsarbeit würden komplett ehrenamtlich erfolgen. Nur so könne ein erschwinglicher Tagessatz von unter 30 Euro pro Kind und Tag angeboten werden.

 

Der Ausschussvorsitzende erklärte, dass es das Ziel sein müsse, das für einen Verkauf angedachte Teilgrundstück zu halten. Es gelte sämtliche alternative Optionen zu prüfen.

 

Kreistagsabgeordneter Lanfer (CDU-Fraktion), fragte nach, ob das OJE zwischenzeitlich sein Konzept hinsichtlich der Akquise anderer Besuchergruppen, um so die Einnahmen zu steigern, überarbeitet habe. Darüber sei im Ausschuss für Kultur und Freizeit bereits im Rahmen der Beratungen über die Bezuschussung der Sanierung der Häuser 1 und 2 diskutiert worden. Dazu erklärte Herr Boll, dass das Schullandheim jeweils ab Ende Oktober bis Anfang April des folgenden Jahres leer stehe. Das Haus müsse zu den Betriebszeiten voll belegt sein. Eine Teilbelegung sei wegen der dann überproportionalen Energie- und Personalkosten unwirtschaftlich. An Sonnabenden und Sonntages gebe es schon seit vielen Jahren keine Belegung mehr. Insgesamt betrage die Auslastung der Einrichtung rund 50 Prozent. Kreistagsabgeordneter Lanfer schlug vor, die Möglichkeit der Öffnung eines Teils der Einrichtung in den Wintermonaten prüfen zu lassen.

 

Kreistagsabgeordneter Prof. Dr. Olivier wiederholte, dass das Betreiberkonzept zu überdenken sei. Kreistagsabgeordnete Dr. Kannen erklärte, dass dem OJE aufgegeben werden müsse, sein Konzept zu überarbeiten, um die Auslastung und damit die wirtschaftliche Situation zu verbessern.

 

Sodann ließ der Ausschussvorsitzende über den Beschlussvorschlag abstimmen.